Wie der Teufelssitz entstand
Neu erzählt von Sylvia Hess

Viele Sagen kreisen darum, dass Gott und der Teufel im Wettbewerb zueinander stehen. Auch an der Loreley erzählt man sich eine solche Geschichte.

Als der Urrhein sich in grauer Vorzeit seinen Weg bahnte und - dem Willen des Schöpfers gemäß - sein Bett tiefer und tiefer grub und dadurch das herrliche Rheintal schuf, geriet der Teufel in helle Aufregung. Er sah nämlich voraus, dass dieses Tal so überwältigend schön geriete, dass die Menschen in ihm den Schöpfer preisen würden - und das wollte der Teufel auf keinen Fall zulassen. 

Nun hatte der Rhein sich bereits tief in die Berge eingegraben und arbeitete mit seinen Wogen zwischen Biebernheim und Wallmenach daran, sein Bett zu vollenden. Nur der Felsen der Loreley stand ihm noch im Weg. Das erkannte auch der Teufel, und so versuchte er den Rhein an dieser Stelle am Durchbruch zu hindern. Er stemmte sich mit gewaltiger Kraft gegen den Felsen, presste seinen Rücken an die Steilwand - aber vergebens. Die unbeirrbare Kraft des Wassers überwand den Teufel und den Felsen, das Rheintal wurde vollendet. Der Teufel musste aufgeben und fuhr mit lautem Getöse in die Hölle.

Doch hat der Teufel seine Spuren hinterlassen. Es gibt da eine Stelle, an der man den Kopf, den Nacken, den Rücken, ja selbst den Schwanz des Teufels noch erahnen kann. Auf diesem Teufelssitz lädt heute eine Bank müde Wanderer zum Ausruhen und Schauen an.

© Sylvia Hess 

Geschichten und Bilder rund um die Loreley

Loreley Online, Stand: 14.01.2004, Reckenthäler